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chin-moku – tiefes schweigen, 14.04.2018

Der japanische Künstler Junpei Uchida studierte Architektur in Japan, kam nach Deutschland und begann 2014 seine künstlerische Ausbildung an der Akademie der Bildenden Künste in München. Der Künstler beschäftigt sich mit vielen anderen gestaltenden Künstlern und Denkern. So bezieht er sich stilistisch unter anderem auf Jacques Derrida, indem er seine Malerei als “écriture” (also Schreibweise) bezeichnet, die zwar Missverständnisse beim Betrachter hervorrufen kann, aber im Prinzip auch zur Assoziation führt, wie andere mögliche Welten beschaffen sein könnten.
Junpei Uchida wählt in seinen Werken eine individuelle Verbindung von abstrakten und konkreten Elementen, die sicher auch aus der Verbindung der japanischen kulturellen Wurzeln mit seiner computer-faszinierten Kindheit gespeist wird. Aus diesen Verbindungen wächst heute eine malerische mögliche Welt – “geologisch . magisch”. Die Magie besteht in der Übertragung von Gefühl und Empfindung in die Betrachtung, also die Weckung von Empathie und freier Assoziation.
Der Vernissage-Titel “chin-moku – tiefes schweigen” bannt in den nächsten Wochen magische Landschaften auf die Wände unseres Hauses. Die großformatigen Bilder entwickeln über 4 m Breite zauberhafte Landschaften. Technisch interessiert den Künstler die Farbharmonie, die Beziehung zwischen der Blickführung und der Komposition im Bild. Der Künstler berücksichtigt schon beim Malprozess die künftige Betrachtung und lenkt sie auf wichtige Elemente, um dem Betrachter zu ermöglichen, sein Konglomerat an Ambitionen zu empfinden und wortlos zu verstehen. Die fast kontemplative Geduld und Genauigkeit in der gezielten Komposition kleiner Elemente ist wahrscheinlich auch der technischen Umsetzung japanischer Kunstprinzipien zu verdanken.
Der Künstler denkt über viele Ereignisse und das Verhalten der Menschen in der Welt nach und spiegelt diese Gedanken in Bildern. Beim Betrachten schleichen sich Empfindungen und Befindlichkeiten ein, die in der Kraft ruhiger Gedanken wirken. Uchida zitiert malerisch auch Mark Rothko, der maßgeblich den Abstrakten Expressionismus und die Farbfeldmalerei prägte: “Ein Bild lebt in Gemeinschaft, indem es sich in den Augen des einfühlsamen Betrachters entfaltet und dadurch in ihm auflebt. Es stirbt, wenn diese Gemeinschaft fehlt.”

Auch die kleineren und runden Formate in der 2. Etage bewirken, dass der Betrachter in tiefes Schweigen verfällt, das “viel ernsthafter und tiefer über Schönheit, Klage und Wut spricht als die Hundertausende von Worten, die über sie gesprochen wurden”. (Zitat Uchda) Insofern soll die Betrachtung dieser Landschaften und Landschaftselemente beim Betrachter möglichst ein inneres Gleichgewicht wieder herstellen.
Da alle Ereignisse mindestens zwei Seiten haben, treten auch die kleinen Bildformate nicht nur gespiegelt, sondern oft auch zu zweit auf: Das erste Bild als sogenannte “Erinnerungslandschaft”, die das Motiv vorgibt, das zweite “Nachbild” bezieht sich farblich und kompositorisch darauf und bewirkt die Umkehrung von Farbwerten und der Betrachtung.
Am Ende des Ganges in der 2. Etage hängen zwei kleine Bilder in einer Nische. Die Hängung weit über der Kopfhöhe soll zu einer Befindlichkeit und tiefem Verständnis führen. Das Motiv ist inspiriert von kleinen Fenstern im Gefängnis aus Sicht des Gefangenen, die auch der Betrachter vor dem Bild unwillkürlich einnimmt. Man versteht die Welt und drinnen/draußen unterschiedlich und spricht darüber jeweils anders – eine Erinnerung auch an Sokrates, der die Stimme eines Dämons im Gefängnis gehört hat. In diesem Sinn ist auch die phonetische Schreibweise des Bildtitels zu verstehen.

Dr. Diana Koch, Kulturhaus Milbertshofen