LANDSCAPE DELIVERY SERVICE LIMITED INC.

Sehnsuchtsbilder-
Delivery-
Projekt

Konzept ↓


Sehnsuchtsbild
+
Lieferservice
=

LANDSCAPE
DELIVERY SERVICE
LIMITED INC.

Sehnsuchtsbilder haben eine lange Geschichte. Meine Arbeit reflektiert diese romantische Tradition, ist aber zugleich auch ein Kommentar zu unserer gegenwärtigen Situation. Aufgrund des Lockdowns im Frühjahr 2020 war die Freiheit zum Ausgehen eingeschränkt, viele Menschen blieben zu Hause und benutzten verschiedene Lieferservices. Aus der Erfahrung dieser Krise heraus stellte ich mir eine Zukunft vor, in der der Mensch nicht ausgehen kann und sogar “Landschaften” geliefert würden, und erfand einen fiktiven Lieferservice.

Die Landschafts-Lieferbox besteht aus Landschaften, die aus Abbildungen von Gemälden der Sachsen-Anhalt Gemäldesammlungen “extrahiert” werden,  sowie dem Gedenkgummistaub der ausgelöschten Sujets und der Kleinbild-Dias des referenzierte Gemälden.


Landschafts-bildungsprozess

Wie entstehen diese heutigen Sehnsuchts-Landschaften?

Diese meine Arbeit entsteht durch das digitale Drucken der Arbeit alter Meister, das Löschen des Themas mit einem Radiergummi und das anschließende Drucken einer weiteren Arbeit darüber. Durch mehrmaliges Wiederholen des Vorgangs bleibt nur die als Hintergrund gezeichnete Landschaft erhalten, die Drucke überlappen sich und eine abstrakte Landschaft entsteht. Auf Staffage oder anekdotische Elemente wird verzichtet, weder das Arbeitsleben der Menschen noch andere Spuren der aktuellen Zivilisation tauchen auf: vielmehr begegnet dem Betrachter eine weitgehend homogene, möglichst harmonische Landschaft.

Landschafts-bildungsprozess 
in Analogie zur Geschichte der Malerei

Im 18. und 19. Jahrhundert wurde die Landschafts-malerei, nachdem sie über Jahrhunderte hinweg innerhalb der Hierarchie der Gattungen einen der untersten Plätze eingenommen hatte, zu einem bevorzugten Ort von Sehnsuchtsbildern. Mein Landschafts-bildungsprozess kann in Analogie zur Kulturgeschichte gesehen werden. Im Laufe der Jahrhunderte änderten sich die Hauptmotive der Malerei.


Im frühen 16. Jahrhundert ist die Landschaft noch bloßer Hintergrund, normalerweise für religiöse oder mythologische Szenen, deren Merkmale immer idealisiert sind.

Im Gegensatz zu den aristokratischen Gattungen der religiösen und historischen Malerei entwickelte die Landschaftsmalerei sich im 16. und 17. Jahrhundert auf den Kunstmärkten für die Bourgeoisie in Antwerpen.  Diese Klasse wollte keine Szenen aus der großen humanistischen Tradition, sondern eher aus den „unteren Kategorien“ von Stillleben, Landschaften und Genremalerei. Im 17. Jahrhundert erreichte dieser Anstieg der künstlerischen Aktivität seinen Höhepunkt.

Im 18. und 19. Jahrhundert wurde die Landschaftsmalerei, nachdem sie über Jahrhunderte hinweg innerhalb der Hierarchie der Gattungen einen der untersten Plätze eingenommen hatte, zu einem bevorzugten Ort von Transzendenzerfahrungen. Adam Müller veröffentlichte 1808 »Etwas über Landschafts-malerei«, und beschreibt, wie durch die Auflösung der Konturen ein Eindruck entsteht, der sowohl Erinnerungsbildern – zumal aus der “frühesten Kindheit” ‒ ähnelt, als auch »das künftige einsinkende Alter« assoziieren läßt, geht doch alles – wie eine verwitterte Ruine – friedlich in seine Umgebung ein.* 

* Die Geschichte der Unschärfe, 2002, Wolfgang Ullrich